Im
Jahre 1859 sorgten einige Brände und deren schwerfällige Bekämpfung,
trotz einer schon bestehenden Pflichtfeuerwehr, für Unruhe in der Bielefelder
Bevölkerung. Daher nahm der Magistrat der Stadt Bielefeld gerne das Angebot
der Bielefelder Turn-gemeinde an, eine Freiwillige Turner-Feuerwehr nach dem
Vorbild der Leipziger Turner-Feuerwehr mit „militärischer Disziplin
und praktischer Durchbildung“ am 9. Januar 1860, einzurichten.
Infolge der Industrialisierung in der Stadt und im Umland, des expandierenden
Handels und dem damit verbundenen Bevölkerungszuwachs, folgten, in den
Jahren von 1877 an, weitere Gründungen von Freiwilligen Feuerwehren in
den verschiedenen Stadtteilen Bielefelds.
Im ersten Weltkrieg wurden viele Feuerwehrangehörige zum Heeresdienst eingezogen.
Ersatzweise mussten sich, nicht heerespflichtige, Männer und Frauen für
den Dienst in der Feuerwehr bereithalten.
In der Mitte der 1920er Jahren begann auch für die Freiwillige Feuerwehr
die Motorisierung meist durch Kraftspritzenanhänger.
1930 vergrößerte sich das Stadtgebiet durch eine Gebietsreform (Sieker,
Schildesche und Gellershagen kamen hinzu), dadurch erreichte Bielefeld eine
Einwohnerzahl von 120.000 und durfte sich als Großstadt bezeichnen.
In den weiteren Jahren gab es viele technische Neuerungen in der Motorisierung
und der Einsatztaktik sowie der Organisation der Feuerwehren. Allerdings brachten
die Kriegsjahre dann die Zerstörung des bis dahin erreichten Fortschrittes
mit sich.
Nach dem Krieg wurden die Feuerwehren, größtenteils mit gebrauchten
Fahrzeugen, Geräten und Uniformteilen, je nach Haushaltslage der Stadt,
ausgestattet.
1950 findet die Gründung der bis dahin einzigen Jugendfeuerwehr in NRW
als Nachwuchsabteilung der 160 Männer starken Freiwilligen Feuerwehr statt.
Am Ende der 1950er Jahre erlässt der Bund eine Verordnung über den
Aufbau eines Luftschutzhilfsdienstes LSHD, später Zivilschutz (ZS). Es
wurden aus den Mitgliedern der Löschabteilungen mehrere Feuerwehrbereitschaften
aufgestellt, unter Benutzung von Bundes-KatS-Fahrzeugen.
Durch eine weitere Gebietsreform, die am 1.1.1973 in Kraft gesetzt wurde, vergrößerte
sich das Stadtgebiet nochmals erheblich, so, dass die Stadt jetzt rund 320.000
Einwohner zählt. Von nun an stehen rund 950 Einsatzkräfte in 29 Löschabteilungen
der freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung.
Der damalige Leiter der Berufsfeuerwehr, Branddirektor Herward Wulf, wurde der
Leiter der Gesamtfeuerwehr. Der bisherige Kreisbrandmeister Heinz Theler bekam
das Amt des Gesamtsprechers als Interessenvertreter der Freiwilligen Feuerwehr.
Aus der ehemaligen Kreisfeuerwehrzentrale wird die Feuer-und Rettungswache II
(Süd). Über die einheitliche Leitstelle in der Hauptfeuerwache „Am
Stadtholz“ werden jetzt alle Rettungsdienst- und Feuerwehreinsätze
sowie die gesamte Alarmierung der FF abgewickelt. Im ehemaligen Kreisgebiet
werden die Löschabteilungen zusätzlich zur Berufsfeuerwehr bis zum
heutigen Tage beim ersten Abmarsch sofort mit alarmiert. Das Nachrücken
und die die Besetzung der Hauptfeuerwache bei größeren Schadenslagen
war für die Innenstadtabteilungen schon immer eine besondere Aufgabe.
Als 1991 die U-Bahn/Stadtbahn eröffnet wurde, bedeutet dieses für
die Feuerwehr zugleich mit neuer Technik und Taktik für Notfälle,
insbesondere für den Brandfall, zu trainieren. Die Freiwillige Feuerwehr
gehört auch zum sogenannten ersten Abmarsch bei Einsätzen in den Tunnelanlagen
der Stadtbahn.
Weitere Einsatzgebiete unter Einbindung der Freiwilligen Feuerwehr sind: Die
überörtlich tätige Bezirksreserve, die Besetzung des ABC-Zugs,
die Bildung einer Fernmeldegruppe sowie Hilfeleistungen beim Massenanfall von
Verletzten.
Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes über den Feuerschutz und die Hilfeleistung
(FSHG) zum 01.03.1998, ist auch die kreisfreie Stadt Bielefeld gehalten, Brandschutzbedarfspläne
für den Einsatz ihrer Feuerwehr aufzustellen.
Dadurch hat sich die Qualität im Brandschutz, bezüglich der Hilfsfristen,
der Funktionsstärken und dem Erreichungsgrad der Einsatzstelle, bei jeglicher
Gefahrenabwehr, wesentlich verbessert.


